Stand:  14.04.2013  

 

12. Herbstkonzert

am 18.11.1989 in der Stadthalle Metzingen

Johann Christian Bach (1735 - 1782)

Sinfonia B-Dur, op. 9, nr. 3
- Allegro - Andante - Allegro -

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)

Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester, Es-Dur, KV 364
- Allegro maestoso - Andante - Presto -

 

Solisten: Wolfgang Brodbeck, Violine
              Matthias Ebert, Viola

Veit Erdmann-Abele (geb. 1944)

Introduzioni
Vier Stücke für Kammerorchester (1985)

Franz Schubert (1797 - 1828)

Sinfonie nr. 5, B-Dur
- Allegro - Andante con moto - Menuetto - Allegro vivace -

Dirigent: Hannes Schmeisser

 

Johann Christian Bach (1735-1782), der jüngste Sohn des Thomaskantors, nimmt eine Sonderstellung in der Generation des Übergangs vom Barock zur Klassik ein. Nicht nur, dass er der Lieblingssohn seines Vaters gewesen sein soll, der ihm zum Verdruss der übrigen Geschwister noch zu Lebzeiten seine Klaviere vermachte, in seinem Lebensweg und im Stil seiner Werke verlässt er am eigenwilligsten den Stil der Familie und wird dadurch zum Wegbereiter eines »neuen« Stils, zum vollendeten Vertreter des musikalischen Rokoko.
Schon als Zwanzigjähriger geht J. Chr. Bach nach Italien, studiert in Bologna und wird, nach seinem Übertritt zum Katholizismus im Jahr 1760, Organist am Mailänder Dom. Seine Opern und seine Kirchenmusik machen ihn in ganz Italien schnell berühmt. Doch schon zwei Jahre später, er ist erst 27 Jahre alt, zieht es ihn nach London. In der Nachfolge Händels baut J. Chr. Bach gemeinsam mit dem Gambisten C. F. Abel eine eigene, äußerst erfolgreiche Konzertreihe mit Abonnements-System auf; das Zeitalter des öffentlichen Konzertwesens hatte begonnen...
In London lernt ihn der achtjährige Mozart kennen. – Das Wunderkind aus Salzburg lernt durch den Bach-Sohn in England das »singende Allegro« der Italiener kennen. Die »Sinfonia in B-Dur« zählt noch zu den Frühwerken Johann Christian Bachs. Die Hauptgedanken des 1. Satzes sind noch nicht besonders gegensätzlich ausgearbeitet, der langsame Satz, das »Andante«, steht in Es-Dur, in einer Tonart also, die bei den Neapolitanern ein »feierliches Pathos« symbolisierte. Johann Joseph Abert, der Stuttgarter Hofkomponist, spricht in diesem Zusammenhang gar von einem »im Ausdruck dunklen schwärmerischen Sehen«. Im Gegensatz dazu tändelt das Finale in typischer Rokoko-Manier daher.

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Das Jahr 1778 ist für Wolfgang Amadeus Mozart ein schicksalhaftes Jahr: Konzertreisen nach Mannheim und Paris bringen nicht nur Begegnungen mit neuen Musikströmungen der Zeit, der überraschende Tod der Mutter erschütterte den 22jührigen Musiker tief. Ausgeträumt war der Traum vom ungebundenen und erfolgreichen Künstlerleben. Materielle Not und das Drängen des Vaters erzwingen 1779 den Eintritt in erzbischöfliche Dienste. W. A. Mozart wird Konzertmeister und Hoforganist in Salzburg. Die »Krönungsmesse« entsteht, aber auch der Traum, wenigstens als Komponist von Kirchenmusik anerkannt zu werden, ist bald zu Ende. Im öden, vom erzbischöflichen Hofzeremoniell geprägten Alltag entstehen lediglich einige kleine Werke, zum Teil bleiben sie Fragment.
Das einzig bemerkenswerte Opus aus dieser Zeit ist die »Sinfonia concertante« für Violine, Viola und Orchester. Es wird Mozarts letzter Beitrag zur Konzert-Literatur für Streichinstrumente.
In der ersten Monographie über Mozart aus dem Jahr 1856 (!) schreibt der verdienstvolle Biograph Otto Jahn, dass dieses Werk wohl erst 1780 entstanden sein müsse, «... wie man an der Reife und Vollendung in der Konzeption der einzelnen Motive und Figuren abnehmen kann, an der Kraft und dem Wohllaut, welche durch die Behandlung des Orchesters an sich und in seiner Verbindung mit den Prinzipalstimmen erzeugt wird, an der Freiheit und Sicherheit, mit welcher die Gliederung des Ganzen, die modulatorischen Übergänge bewerkstelligt und kleine Figuren und Wendungen am rechten Fleck verwendet sind, um das Ganze lebendig zu gestalten. Die Form der drei Sätze ist die gewöhnliche, aber sie sind breiter angelegt und durchgeführt. Damit die beiden Solo-Instrumente sich angemessen entfalten konnten, war eine stärkere Grundlage und ein weiterer Rahmen erforderlich, daher die Tuttisätze größer und bedeutender sind; dies erforderte dann der gleichmäßigen Haltung wegen auch eine kräftigere und selbständigere Beteiligung des Orchesters an den Solostellen. Dadurch hat das Ganze einen mehr symphonistischen Charakter bekommen, dem die Soloinstrumente einen besonderen Glanz verleihen...«
Für die Mozartforschung der Gegenwart ist die »Sinfonia concertante« ein Schlüsselwerk in der Entwicklung des Komponisten. Tatsächlich ist der Unterschied zu den früheren Solokonzerten erheblich:
Das Allegro mit der sonst eingängigen »Galanterie« ist zu einem pathetischen Allegro maestoso geworden. Oboen und Hörner haben sich zu selbständigen Klangflächen entwickelt, das Streicherensemble ist durch Stimmteilung flexibler, die Solisten entfalten charakteristische Dialoge. Dem melancholischen Mittelsatz folgt ein gegensätzliches Schlusspresto.

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1985 sind die »Introduzioni« für Kammerorchester entstanden. Der Titel weist auf den Grundgedanken der Komposition hin:
auf verschiedenen Wegen soll der Charakter von Eröffnungsmusiken erreicht werden; eine Musik ist also zu erwarten, die eine bestimmte Grundstimmung vermittelt, eine musikalische Spannung aufbaut, ohne jedoch zu einem wirklichen Schluss zu kommen, Miniatur-Ouvertüren ohne Opern, also...
Im ersten Stück stehen flirrende Klangflächen der Streicher dem Holzbläserquartett gegenüber. Gemeinsam mit den Celli und Kontrabässen bauen sie rhythmisierte Obertonreihen auf.
Der zweite Satz ist eine Variation über den Ton G, die sich zu einem furiosen Harmonienwirbel steigert.
Harmonischer Klangzauber bestimmt zunächst auch das 3. Stück, bevor über eine ostinate Bassfigur ein walzerartiges Thema in immer engeren Einsätzen die Idylle stört. Jedoch verklingt diese Einleitungsmusik wieder versöhnlich.
Der vierte Satz ist wieder formal zweigeteilt: auf ein rhythmisch strukturiertes Melodieliniengeflecht folgt ein hartnäckiger Marsch. Beide Gedanken durchdringen einander.

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Für ein Amateurorchester hat Franz Schubert seine 5. Sinfonie geschrieben, und weil es in diesem Orchester weder Klarinetten noch Trompeten noch Trommeln noch Pauken zu besetzen gab, hat er eine Partitur auch ohne diese Instrumente geschrieben.
Im September 1816 ist das Werk fertig geworden, kurz darauf wurde es im kleinen Kreis aufgeführt. Die erste öffentliche Aufführung hat jedoch erst dreizehn Jahre nach dem Tod des Komponisten stattgefunden, am 17. Oktober 1841 im Josefstädter Theater in Wien. Danach ist noch 1873 eine Aufführung in London nachweisbar. Franz Schubert ist 1816 gerade 19 Jahre alt und ziemlich unglücklich mit seiner Tätigkeit als Hilfslehrer an der Schule seines Vaters. Von diesen Bedrückungen ist jedoch in der Musik der 5. Sinfonie wenig zu spüren. Eher ist dieses Werk ein erster Beleg für einen eigenständigen musikalischen Weg.
So beginnt das Allegro nicht wie gewohnt mit einer langsamen Einleitung, sondern bereits nach zwei Takten mit dem Hauptthema. Das tänzerische Andante con moto enthält eine seiner bezauberndsten Melodien und ein reizvolles Duettieren zwischen Streichern und Holzbläsern. Überraschend folgt das düstere Menuett und, im krassen Gegensatz dazu, ein schlichter Ländler im Trio, eine melodische Umkehrung des Menuett-Themas. Das Finale ist eine ganz den klassischen Regeln entsprechende Sonatenform.
Franz Schubert hat mit dieser Sinfonie seine »klassische Reifeprüfung« abgelegt.
1817 verlässt er das Elternhaus und den Schuldienst.

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-VC-

Veit Erdmann-Abele

geboren 1944 in Reutlingen

1964 - 1972

Studium in Tübingen und Stuttgart, lehrreiche Begegnungen mit Henk Badings, Erhard Karkoschka und Kar Michael Komma

1972 - 1974

Freiberufliche Tätigkeit als Komponist und Musikerzieher

seit 1974

Musikredakteur beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart. Veit Erdmann-Abele schreibt Chormusik, Kammermusik und Orchesterwerke. Seine Werke werden in aller Welt aufgeführt

1969

Förderpreis der Musikhochschule Stuttgart

1976

Kompositionspreis des Schwäbischen Sängerbundes, Förderpreis der Stadt Stuttgart

1981, 1983

Valentin-Eduard-Becker-Preis der Stadt Brückenau

1981

Kompositionspreis der Stadt Solingen

1985

Kompositionspreis des Deutschen Harmonika-Verbandes - Bezirk Ostwestfalen-Lippe, des Bundes Deutscher Zupfmusiker und des Badischen Sängerbundes

seit 1989

Leiter der Reihe: Musica nova in Reutlingen

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Wolfgang Brodbeck

geboren am 24.03.1956 in Urach

 

mit neuen Jahren erster Violinunterricht bei Herbert Tischler in Neuhausen und Jutta Huber in Reutlingen

1976 - 1982

Studium bei Werner Keltsch an der Musikhochschule in Stuttgart
Unterricht in der Klasse Melos Quartett
Künstlerische Abschlussprüfung

1982 - 1984

Studium bei Emanuel Hurwitz in London

1983

Konzertmeister bei der Jungen Deutschen Philharmonie

1984

Substitut an der Deutschen Oper in Berline und Engagement am Staatstheater in Braunschweig

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Matthias Ebert

geboren 1962 in Offenburg

bis 1983

Abitur am Gymnasium in Metzingen und Zivildienst,
Violin- und Violaunterricht an der Musikschule in Metzingen,
später bei Georgiy Jassenjawskiy in München

1984 - 1985

Studium bei Joachim Krist an der Musikhochschule Düsseldorf und and der Orchesterschule Wolfgang Hoch in Overath

1986

Mitarbeit bei der Jungen Deutschen Philharmonie und als Stimmführer im Österreichischen Jugendsymphonieorchester

seit 1987

Mitglied im Orchester des Staatstheaters Braunschweig

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