Stand:  14.04.2013  

 

27. Herbstkonzert

am 20.11.2004 in der Stadthalle Metzingen

Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)

Konzert für Oboe und Orchester,
d-moll, BWV 1059,
Rekonstruktion Arnold Mehl 1981

 

Solist: Andreas Vogel, Oboe

Henrik Mikolaj Gorecki (*1933)

3 Stücke im alten Stil für Streichorchester

Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788)

Konzert für Oboe und Orchester, Es-Dur,

 

Solist: Andreas Vogel, Oboe
 

Ottorino Respighi (1879 - 1936)

Antiche Danze ed Arie (3. Suite)

Ney Rosauro (*1957)

Konzert für Marimbaphon, Streicher und Percussion-Ensemble

 

Solisten: Percussion-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart

 

 

Leitung: Gereon Müller

 

Johann Sebastian Bach war einer der vielseitigsten Komponisten des Barock; die Größe seiner Musik ist einzigartig.Aufgrund seines beruflichen Werdegangs, der vom Wechsel zwischen höfischen und kirchlichen Anstellungen geprägt war, komponierte Bach Werke in nahezu allen Gattungen und für unterschiedlichste Besetzungen; es war dies damals übliche Kompositionspraxis, eigene oder fremde Werke in immer wieder anderenFassungen zu bearbeiten.
So schrieb Bach einige seiner lohnenswertesten Violin- und Oboenkonzerte in die bis heute erhaltene Form als Klavierkonzerte um. Er sah darin die Möglichkeit, die zu seiner Zeit übliche Praxis einer nur einmaligen Aufführung zu durchbrechen und seine Werke mehrmals zu Gehör zu bringen.
Auch das Concerto d-moll für Oboe, Streicher und Basso continuo galt lange Zeit als verschollen und nur in anderer Fassung zugänglich. So stieß Arnold Mehl, der Herausgeber der rekonstruierten Fassung, bei der Suche nach der Urform dieses Konzertes auf zwei Kirchenkantaten Bachs, in denen die drei Sätze des Konzertes in nur leicht veränderter Form zu hören sind.
Der erste und der letzte Satz des Oboenkonzertes sind in der Solo-Kantate „Geist und Seele wird verwirret“ (BWV 35) zu finden, die Bach 1726 komponierte. Den langsamen Mittelsatz verwendete Bach zu Beginn der Kantate „Ich steh mit einem Fuß im Grabe“ (BWV 156) aus dem Jahre 1729 und als zweiten Satz des Klavierkonzertes f-Moll (BWV 1056), da er ihn so gelungen fand.
Bereits komponierte Sätze aus verschiedenen Kompositionen in neue Werke zu integrieren, wird als „Parodieverfahren“ bezeichnet und kennzeichnet die damals geltende Universalität der Musik, die nicht an spezifische Gattungen, Besetzungen und Aufführungsorte gebunden war.

Zurück zum Seitenanfang

Die Tradition, dem betörenden Klang der Oboe ein Solokonzert zu widmen, nimmt etwa 50 Jahre nach Johann Sebastian Bach auch sein zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel Bach wieder auf und komponiert ein Concerto Es-Dur für Oboe, Streicher und Basso continuo.
Was sich in den Jahren zwischen 1719 und 1765 auf dem Gebiet der Musikgeschichte verändert und weiterentwickelt hat, lässt sich anhand dieses Konzerts erkennen.
Carl Philipp EmanuelBach gilt als einer der Komponisten, der ganz entscheidend den Wechsel von der Epoche des Barock hin zur Klassik vollzog. Die Wichtigkeit dieser Musikerpersönlichkeit für diese Zeit des Umbruchs zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sowohl Mozart als auch Haydn ihn als einen ihrer einflussreichsten Vorbilder und Lehrmeister bezeichnen. C. Ph. E. Bach, der in den Jahren 1740 - 1768 am Hof des Musik liebenden und selbst ambitioniert Flöte spielenden Friedrich II. in Berlin angestellt war, hat die Errungenschaften des Barock fortgeführt und sie zu einer neuen und  ganz persönlichen Tonsprache weiterentwickelt. Ziel der Musik, so C. Ph. E. Bach, sei es in erster Linie, das „Herz zu rühren“ und im Hörer „Leidenschaften zu erregen“, wobei ein komponierender oder ausführender „Musikus nicht anders rühren kann, es sei denn, er ist selbst gerührt“. Damit hat er bereits einen wichtigen Schritt weg von der universellen und überpersönlichen Musiksprache des Barock hin zu einem empfindsamen und ausdrucksstarken Stil vollzogen, der bereits vieles aus den folgenden Epochen der Klassik bis hin zur Romantik vorausahnen lässt.

Zurück zum Seitenanfang

Der 1879 in Bologna geborene und 1936 in Rom verstorbene Ottorino Respighi war als Violinist, Dirigent und Komponist tätig. Seiner erfolgreichen Kompositionstätigkeit war es zu verdanken, dass er 1913 zum Kompositionslehrer am Conservatorio di Santa Cecilia in Rom berufen wurde, dessen Leitung er 1923 übernahm.
Neben seinen symphonischen Dichtungen „Le fontane di Roma“, „I pini di Roma“ oder „Feste romane“ wurden vor allem seine Opern hoch geschätzt und seine Bühnenwerke häufig aufgeführt.
Die Besonderheit in Respighis Schaffen besteht in der Zusammenführung von Tradition und Ausdrucksmitteln seiner Zeit. Diese  Vorliebe, die Musik der Vergangenheit in sein Werk mit aufzunehmen, findet ihren exemplarischen Ausdruck in den drei Suiten für Orchester Antiche Danze ed Arie.
Respighi studierte dazu zahlreiche Tänze und Melodien für Laute aus dem 16. und 17. Jahrhundert, wählte einige davon aus und verband sie zu drei Suiten, indem er die Melodien der Vorlage übernahm und sie mit den harmonischen Mitteln des 20. Jahrhunderts unterlegte.
Anders als in der Gegenwart, in der sich ein großes Interesse an einer möglichst reinen und historischen Wiedergabe der Musik vergangener  Epochen durchgesetzt hat, ging es Respighi nicht um Authentizität sondern lediglich um eine Gelegenheit, Melodien der Vergangenheit aufzunehmen, um daran seine außergewöhnliche Bearbeitungs- und Instrumentationsbegabung zu zeigen.

Zurück zum Seitenanfang

Ney Rosauro, geboren 1952 in Brasilien, stand kurz vor dem Abschluss seines Kompositionsstudiums, als er 1977 zum ersten Mal mit Perkussionsinstrumenten in Berührung kam. Rosauro, der bereits Klavier, Oboe, Trompete und Bass spielte, war von den Ausdrucksmöglichkeiten des Perkussionsspiels derart begeistert, dass er sich in den folgenden Jahren fast ausschließlich darauf konzentrierte, dieses zu erlernen. Einmal im Monat nahm er daraufhin eine 22-stündige Busfahrt auf sich, um in Rio de Janeiro Unterricht bei Luiz Ananciacao zu nehmen, der ihm wie er selbst sagt „nicht nur die Technik des Perkussionsspiels, sondern vielmehr auch den sensiblen und differenzierten Umgang mit dem Instrument“ beibrachte. Während eines Deutschlandstipendiums eröffnete sich für ihn unter Professor Siegfried Fink in Würzburg eine neue Welt der Perkussion und er begann während dieser Zeit, seine erste Komposition für Schlaginstrumente zu schreiben. Ihm folgten über 30 veröffentlichte Stücke für Perkussion, die weltweit bekannt und von international bekannten Künstlern aufgeführt und auf CD eingespielt wurden.
Das Konzert für Marimbaphon und Streichorchester aus dem Jahre 1986 enthält neben zahlreichen Anleihen aus der südamerikanischen Musiktradition auch vielfältige Anregungen aus dem Jazz.
Unregelmäßige Rhythmen, vielfältige Taktwechsel und der Klang des Soloinstruments  hinterlassen ein besonderes und für mitteleuropäische Ohren ungewohntes Hörerlebnis.
Die Kombination dieser improvisierten und folkloristischen Elemente mit der europäisch-klassischen Form des Solokonzerts spiegelt zum einen die persönliche und musikalische Entwicklung Rosauros wider und erzeugt zum anderen die Verbindung von den immer noch unverbunden und fast verfeindet nebeneinander stehenden Bereichen der so genannten „ernsten“ und „unterhaltenden“ Musik.

Zurück zum Seitenanfang

Der 1933 geborene Henryk Mikolaj Górecki galt seit den späten 1950er Jahren als wichtigster Vertreter der polnischen Avantgarde. In dieser Zeit entstanden Werke, deren erklärtes Ziel es war, den Hörer zu verstören und zu irritieren. Damit verlieh der Komponist seiner Wahrnehmung der Gegenwart Ausdruck.
„Komponieren ist eine schrecklich persönliche Angelegenheit“
(H. M. Górecki). In dieser radikalen Periode seines Schaffens galt die Devise, „je dissonanter und rauer ein Klang, desto besser“.
In den 1960er Jahren veränderte sich Góreckis Einstellung zum Leben und damit auch sein Kompositionsstil. Er entwickelte sich nach und nach zu einem Mystiker, dessen Werke zunehmend von volkstümlichen und religiösen Einflüssen durchdrungen wurden.
Die Drei Stücke im alten Stil aus dem Jahr 1963 gehören zu den ersten frühen Beispielen dieser neuen, eigenständigen Musiksprache Góreckis, die sich auf den Klang als Urgrund aller Musik besinnt. Die Musik entsteht aus einfachen, kurzen Phrasen und Strukturen, die häufig wiederholt und kaum verändert eine meditativ sinnliche Wirkung erzielen.

Zurück zum Seitenanfang

Der Oboist  Andreas Vogel wurde 1963 geboren und begann sein Studium bei Prof. Willy Schnell an der Musikhochschule Stuttgart, das er 1990 mit dem Konzertexamen abschloss. Seit dieser Zeit ist er Mitglied des Orchesters der Ludwigsburger Festspiele. Zahlreiche Engagements bei den Stuttgarter Philharmonikern, dem Staatsorchester Stuttgart und dem RSO Stuttgart folgten. Seine besondere Vorliebe gilt der Kammermusik. Konzerte mit dem Trio Barocco Vivente, dem Pro Art Ensemble und dem CAMAS Bläserquintett in renommierten Konzertreihen führten ihn durch ganz Deutschland, nach Japan, Korea und China. Als Solist spielte er mit verschiedenen deutschen Kammerorchestern unter anderem Konzerte von Mozart, Vivaldi, J. S. Bach und Richard Strauss.

Zurück zum Seitenanfang

Das „Percussion Ensemble der Musikhochschule Stuttgart“ setzt sich aus Studenten und Absolventen der Musikhochschule Stuttgart zusammen, formiert sich daher von Zeit zu Zeit neu und gewinnt daraus eine besondere Lebendigkeit und Dynamik.
Das Ensemble wurde 1982 von Prof. Klaus Treßelt gegründet und gastierte im Rahmen reger Konzerttätigkeit in vielen Ländern Europas, den USA und Japan.
Sensibilität und Kreativität im Spiel mit den unendlichen Möglichkeiten von Klang, Geräusch und Rhythmus kennzeichnen das Perkussion Ensemble der Musikhochschule Stuttgart.

Zurück zum Seitenanfang

Gereon Müller
Dirigent

Der 1968 geborene Gereon Müller erhielt seine ersten musikalischen Impulse als junger Sänger bei den Schwäbisch Gmünder St. Michael-Chorknaben. Der Instrumentalunterricht bei der Cellistin Dagmar Steiff ermöglichte das frühzeitige Mitwirken in verschiedenen Kammeren­sembles und Sinfonieorchestern. Schon während des Studiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart mit Kursen von Violoncello, Chor­leitung, Orchesterleitung und szenischem Musizieren wirkte er mit als Chor- und Orchesterleiter sowie als musikalischer Leiter zahlreicher Musiktheaterproduktionen. Zusatzstudium Philosophie und Germanistik. Weiterbildung auf dem Gebiet der Chor- und Orchesterleitung, Hospi­tationen und Meisterkurse bei Frieder Bernius, Prof. Peter Michael und Helmut Rilling. Freischaffende Tätigkeit mit verschiedenen Vokal- und Instrumental­ensembles: musikalische Leitung des „Ensemble Zementwerk“ mit dem Schwerpunkt zeitgenössische Musik und Musik des 20. Jahrhun­derts, musikalische Leitung des Kammerorchesters Metzingen, Kon­zertprojekte mit dem Philharmonia Chor Stuttgart, musikalische Assis­tenz beim Chamber Choir of Europe. In der Saison 2000/2001 freischaffend als Chorleiter und musikalischer Assistent an der Jungen Oper des Staatstheaters Stuttgart.

Zurück zum Seitenanfang

[Übersicht] [2000-2009] [1990-1999] [1985-1989] [1977-1984] [Impressum]