Stand:  14.04.2013  

 

28. Herbstkonzert

am 12.11.2005 in der Neuen Aula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Metzingen

Hernry Purcell (1659 - 1595)

Chaconne in g-moll

Antonio Vivaldi (1678 - 1741)

Konzert für Gitarre und Orchester, D-Dur

 

Solist: Johannes Monno, Gitarre

Karl Jenkins (* 1944)

Palladio

Hernry Purcell (1659 - 1595)

Dido und Aeneas - Suite

Andreas N. Tarkmann (*1956)

Lost Paradise

Eric Satie (1866 - 1925)

Gymnopédie Nr. 1

 

Solist: Andrej Moulin, Bajan

Astor Piazzolla (1921 - 1992)

Doppelkonzert für Gitarre, Bandonéon und Streichorchester

 

Solisten:
Johannes Monno, Gitarre
Andrej Moulin, Bajan

Leitung: Gereon Müller

 

Das musikalische Talent des 1659 in London geborenen Henry Purcell zeigte sich sehr früh. Schon als kleiner Junge sang er in der Chapel Royal, wo er später als Chorassistent Arbeit fand. Sein kurzes Leben – er wurde nur 36 Jahre alt -  war geprägt von einer außerordentlich umfangreichen kompositorischen Tätigkeit. Berühmt wurde Purcell vor allem durch zahlreiche Kompositionen für das Theater. Diese Schauspielmusik diente dazu, die gesprochenen Texte durch Instrumental – und Ballettmusik miteinander zu verbinden und die Handlung zu illustrieren. Eines dieser für die Theaterbühne entstandenen Stücke ist die „Chaconne in g-moll“. Ein achttaktiges, in Violoncelli und Kontrabässen vorgestelltes Thema dient als Grundlage für das ganze Stück. Während dieses „Ostinato“ nahezu unverändert wiederholt wird, variieren die hohen Streicher ihr musikalisches Material.

Vor allem seine Solokonzerte für nahezu sämtliche Instrumente  machten Antonio Vivaldi, geboren 1678 in Venedig, bekannt. Eines dieser Konzerte, die allesamt der traditionellen barocken Satzfolge schnell – langsam – schnell folgen und die häufig für verschiedene Instrumente bearbeitet wurden und Komponisten wie Johann Sebastian Bach zur Transkription anregten, ist das Konzert für Gitarre und Orchester in D- Dur.

Der Titel „Palladio“ von Karl Jenkins geht zurück auf den großen Renaissance-Baumeister Andrea Palladio, dessen Baukunst seit dem 16. Jahrhundert Venedig und seine Umgebung prägte. Seine  Kirchen und Paläste waren an antiken Baumustern orientiert und sollten später die Architektur des Barock vor allem in Frankreich und England entscheidend beeinflussen.
Auch Karl Jenkins nimmt mit „Palladio“, einem „dreisätzigen Konzert für Streichorchester“ Vivaldi als barockes Vorbild musikalisch auf und versucht, dessen Ideal mit der Musiksprache unserer heutigen Zeit zu verbinden.
Jenkins, 1944 in Wales geboren, wurde zunächst von seinem Vater auf dem Klavier und der Oboe unterrichtet und studierte später Komposition in Cardiff und London. Neben dieser „klassischen“ Ausbildung begann Jenkins während seiner Studienzeit Saxophon zu spielen und tourte mit seinem Jazz- Rock- Ensemble „Nucleus“ durch die Clubs in London und Umgebung. Schon während des Studiums begann er auch für Film und Fernsehen zu komponieren. So gehört Karl Jenkins zu den wenigen Komponisten, die sowohl in der klassischen als auch in der unterhaltenden Musik ihren Platz haben.

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Die einzige von Henry Purcell vollständig durchkomponierte Oper „Dido and Aeneas“ ist wohl sein bekanntestes Werk. In der Oper wird die Geschichte des trojanischen Helden Aeneas erzählt, der auf seiner Irrfahrt in Afrika strandet und dort Dido, der Königin von Karthago,  begegnet. Wie auf der Opernbühne nicht anders möglich, entflammen die beiden in großer Liebe zueinander.  An seine Pflicht in der Heimat gemahnt,  verlässt Aeneas Dido. Enttäuscht und verletzt stimmt sie ihren Klagegesang an, bevor sie sich das Leben nimmt.
In der Suite „Dido and Aeneas“, die Elwyn Wienandt zusammengestellt hat, finden sich die Ouvertüre der Oper, der „triumphing dance“ vom Ende des ersten Aktes, das „Prelude“ zum zweiten Akt  sowie das berückend schöne und berührende „Lamento“ der Dido, das den Schluss- und Höhepunkt der Oper darstellt.

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„Lost Paradise“ von Andreas N. Tarkmann entstand in einer ersten solistischen Streicherversion bereits im Jahre 1995. Es war Teil der Theatermusik für das Stück „Salamander“ von Rolf Christian Schröder, das in diesem Jahr im Schauspielhaus Hannover aufgeführt wurde. Wie im Theaterbetrieb nicht unüblich, fand das Stück jedoch im Verlauf des Probenprozesses aus dramaturgischen Gründen keine Verwendung. Es begann daraufhin ein musikalisches Eigenleben zu führen und wurde immer wieder in einer Quartettversion zur Aufführung gebracht. „Lost Paradise“, das in einer eigens für das Kammerorchester Metzingen neu arrangierten Orchesterversion entstand, basiert zunächst auf einer im Moment entstandenen musikalischen Idee, die mit minimalistischen Mitteln fast im Stile einer Filmmusik die Farben des Streichorchesters effektvoll einsetzt.
Der 1956 in Hannover geborene Andreas Tarkmann ist vor allem für seine Arbeiten als Arrangeur und Komponist bekannt. So arbeitet er für die deutsche Kammerphilharmonie und für zahlreiche Ensembles der Berliner Philharmoniker; ebenso arrangiert er für einige der weltweit bekannten Bläsersolisten wie z.B. Sabine Meyer (Klarinette) oder Albrecht Maier (Oboe). Einige dieser auf verschiedenen CDs veröffentlichten Bearbeitungen und Kompositionen wurden von der Musikwelt äußerst positiv aufgenommen und mit verschiedenen Preisen wie etwa dem „Echo-Klassik-Preis“ ausgezeichnet.
Andreas N. Tarkmann lehrt Instrumentation und Arrangement an der Musikhochschule Mannheim.

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Der Franzose Eric Satie (1866 – 1925) ist als besonders humorvoller Komponist bekannt. Viele seiner Klavierstücke sind wie witzige Karikaturen, die sich mit den Regeln des akademischen Musikbetriebs satirisch auseinander setzen.
Die 1888 entstandene „Gymnopédie Nr. 1“ gehört zu den bekanntesten Klavierkompositionen Saties. Eine „Gymnopédie“ ist ein spartanischer Tanz, dessen Charakter  in der Vortragsbezeichnung „langsam und schmerzlich“ (lent e doloreusement) treffend zum Ausdruck kommt -  besonders  in der hier erstmals zur Aufführung gebrachten Version für Streichorchester und Bandoneon.

Astor Piazzolla wurde 1921 in Mar del Plata in Argentinien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Als er vier Jahre alt war, zog die Familie nach New York, um dort in der Zeit von Prohibition und Mafia ihr Glück zu versuchen. Piazzolla sagt später, dass er „...mehr in den Straßen herumhing als in die Schule zu gehen...“ und dass seine „...musikalische Welt immer mehr der Jazz um Duke Ellington und Cab Calloway “ wurde.
Im Alter von neun Jahren  schenkte ihm sein Vater ein Bandonéon.  Astor begann klassische Musik zu studieren. 1937 kehrte die Familie nach Argentinien zurück. Er zog nach Buenos Aires, wo er als Bandonéonspieler erste Engagements erhielt. Im Jahr 1946 endlich hatte Astor Piazzolla seine eigene Band zusammen, mit der er ausschließlich Tango spielte. Mit dieser Formation begann er, seinen eigenen Stil zu entwickeln und auszuprobieren. Die entscheidende Wendung nahm seine musikalische Karriere, als er in den fünfziger Jahren in Europa mit verschiedenen Größen der klassischen Musik zusammen traf. Die Kompositionslehrerin Nadja Boulanger etwa zeigte ihm, dass seine Heimat nicht die „intellektuelle“,  sondern die „intuitive“ Musik des Tango und des Jazz war. Geprägt durch diese Erfahrungen schuf Piazzolla den sogenannten „Tango nuevo“, der Elemente des Tango, des Jazz und der klassischen Musik vereint und von Buenos Aires aus die ganze Welt eroberte.
Das 1985 in Liège (Belgien) entstandene und mit dem Komponisten am Bandonéon uraufgeführte „Doppelkonzert für Gitarre, Bandonéon und Streichorchester“ trägt den Untertitel „Hommage à Liège“.

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Johannes Monno

Im Alter von sechs Jahren entdeckte Johannes Monno die Gitarre für sich. Er erhielt zunächst Unterricht bei Michael Simon und bei Wilfried Halter. Von 1989–1990 studierte er bei José Tomas in Alicante / Spanien. Anschließend setzte er sein Studium an der Kölner Musikhochschule bei Hubert Käppel und Konrad Junghänel fort. Meisterkurse bei Alberto Ponce, Angelo Gilardino, Oscar Gighlia, Thomas Müller-Pering, Costas Cotsiolis, Roberto Aussel, Leo Brouwer und Manuel Barrueco gaben wertvolle Impule. Johannes Monno erhielt erste Preise bei diversen nationalen und internationalen Wettbewerben. 1995 folgte eine Publikation über die Barockgitarre (tree – edition, München) die sich mit der Geschichte, den Komponisten und der Spielweise des Instruments auseinandersetzt. Neben seiner solistischen Karriere interessiert ihn vor allem die vielfältigen kammermusikalischen Möglichkeiten der klassischen Gitarre und der Barockgitarre. Feste Partner sind der Tenor Wilfried Jochens, der Flötist Arnim Klüser und der argentinische Charangist Diego Jascalevich. Er produzierte mehrfach für den HR, WDR und BR. Konzerte führten ihn bislang nach Spanien, Portugal, Österreich, Island, Italien, Japan und Neuseeland. Eine besondere Bereicherung war stets die Arbeit als Continuospieler mit Barockgitarre und Theorbe.  Im Jahr 1996 erhielt er ein Stipendium vom DAAD, das ihm einen Studienaufenthalt bei Costas Cotsiolis in Athen/Griechenland ermöglichte. Seine Studien schloss Johannes Monno 1998 mit dem Konzertexamen ab. Als einer der erfolgreichsten Gitarristen der jüngeren Generation erhielt Johannes Monno bereits im Jahr 1999 eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Im Jahre 2003 folgte der Ruf nach Frankfurt und ein Jahr später nach Stuttgart, wo er nun an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst eine eigene Gitarrenklasse betreut.

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Andrej Moulin

1958 in Moskau geboren, begann er als 6-Jähriger das Bajan-Spiel. Es folgten Studien bei  Prof. Kommissarov und Prof. Muntjan an der Gnessin- Musikakademie in Moskau. Bis 1992 war er Dirigent des Sowjetischen Staatsensembles für Volksinstrumente Moskau, konzertierte mit diesem Ensemble und als Solist in zahlreichen Städten der ehemaligen UdSSR, im ehemaligen Jugoslawien, in Polen und Ungarn und widmete sich darüber hinaus Kompositionsstudien. 1989 wurde seine Komposition "Zwischen Abend und Mitternacht" als Pflichtstück für den Internationalen Akkordeonwettbewerb in Moskau ausgewählt.
Seit 1992 lebt und arbeitet Andrej Moulin in Deutschland. Hier widmete er sich intensiven Studien der Werke Astor Piazzollas und des Tango Nuevo Argentino. Drei seiner eigenen Tango-Kompositionen wurden veröffentlicht („Tango 99“, „Tango 2000“, „Faraon“, „Tango Nostalgie“) und im Jahre 2003 gründete er das Ensemble „Tango-Komplott“, für welches er zahlreiche Piazzolla-Tangos arrangierte. Als profunder Kenner der Tango-Literatur ist er als Tango-Interpret bei vielen Musikerkollegen in diversen Besetzungen gefragt.
Bei seinen Konzerten spielt er ein Bajan (großes chromatisches russisches Knopfakkordeon B-Griff) mit 106 Knöpfen mit einem Tonumfang von E1 bis g5 sowie 120 Bässen und der Wechselvorrichtung zwischen Standardbass (M II) und Einzeltonbass (M III).

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Gereon Müller, geboren 1968

Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Nach erfolgreichem Abschluss des Musikstudiums Studium der Philosophie und Germanistik sowie Weiterbildungen in Hospitationen und Meisterkursen auf dem Gebiet der Chor– und Orchesterleitung.
Langjährige Tätigkeit mit verschiedenen Vokal – und Instrumentalensembles: Philharmonia Chor Stuttgart, Vokalensemble „Consort of voices“ Kammerorchester Metzingen, „Ensemble Zementwerk“  (Musik des 20. Jahrhunderts)
Musikalische Assistenz bei „Chamber Choir of Europe.“ Leitung des Opernchors und musikalische Assistenz  bei der Produktion „Cupid and Death“ sowie weiteren Produktionen der Jungen Oper der Staatstheater Stuttgart.
Ein besonderes Anliegen von Gereon Müller ist die Förderung zeitgenössischer Musik. Deshalb finden sich in nahezu allen von ihm verantworteten Programmen Elemente der Tradition wie auch der Moderne, einander gegenübergestellt und in Verbindung zueinander gebracht. Diese besondere Art der Programmgestaltung soll die häufig starren Grenzen zwischen den Epochen überwinden und auf die Zeitlosigkeit der Musik hinweisen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit Gereon Müllers liegt in der Vernetzung verschiedener Kunstsparten, deren Zusammenspiel mit musikalischen, körperlichen und visuellen Erfahrungen ein ganzheitlich sinnliches Erlebnis für das Publikum bewirken. In diesem Zusammenhang gründete er Anfang  2005  gemeinsam mit dem Choreographen und Filmemacher Lior Lev „artconnexion“, um das kreative Potential verschiedener Künste und Künstler zu vernetzen und in Form gemeinsamer Produktionen zu präsentieren.

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